MEIN PERU-ABENTEUER VON MONIKA AUS WIEN

 

Seit dem Abschluss meiner Ausbildung bin ich schon berufstätig, ich bin sehr reisebegeistert und es hat mich immer schon interessiert, für längere Zeit im Ausland zu leben, weil man dadurch ein Land bzw. Kultur und Leute noch viel besser kennen lernen kann als wenn man nur Tourist ist. Im März 2010 habe ich mich dann entschieden das einfach mal zu probieren. Zufällig bin ich bei meiner Internet-Recherche auf das Unternehmen „Academical Travels“ gestoßen, nach einem Telefonat mit Herrn Crede war ich auch gleich davon begeistert, wie schnell und unkompliziert sich alles organisieren lassen würde. Von meinem Unternehmen wurde mir dann sehr kurzfristig eine Bildungskarenz – mit dem Ziel in Peru Spanisch zu lernen – gewährt. Der Vorteil dabei ist, dass man eine finanzielle Unterstützung vom AMS in Österreich bekommt und sofort nach der Rückkehr wieder in seinen ursprünglichen Job einsteigen kann. Es sollte dann auch schon am 9. Mai losgehen, aufgrund einer Luftraumsperre in Spanien musste ich spontan meinen Flug verschieben und so begann meine Reise am 10. Mai in Wien, am selben Tag landete ich dann auch schon am Flughafen in Chiclayo.

Obwohl ich aufgrund der Flugänderung erst um 21 Uhr, ca. drei Stunden später als geplant, in Chiclayo angekommen bin, wurde ich von meiner Spanisch-Lehrerin, einigen Mädls aus Deutschland, die schon längere Zeit hier waren und von einem peruanischen Freund am Flughafen abgeholt. Sie erkannten mich sofort, weil ja nicht so viele junge Blondinen allein am Flughafen in Chiclayo landen. Wir sind dann gleich nach Lambayeque, einem Vorort von Chiclayo und meiner Heimat für die nächsten drei Monate, gefahren. Wir verbrachten den Abend gemeinsam in „meinem“ Haus, es gab noch etwas zu essen (an das Essen spätabends gewöhnt man sich hier sehr schnell!) und dann verbrachte ich meine erste Nacht in Südamerika ganz alleine (meine Gastmutter kam erst am nächsten Tag – sie hatte ihre Tochter zum Muttertag in Lima besucht). Ich wurde äußerst herzlich aufgenommen und war von Anfang an überall dabei, in den nächsten Tagen lernte ich dann eine Menge neuer Leute kennen (man verwechselt am Anfang alle Namen und Gesichter, das ist aber normal denke ich). Zum Frühstück und Mittagessen war ich immer bei einer sehr netten Nachbarin und auch mit dem Spanischunterricht ging es gleich los. Jeden Tag von 16 bis 20 Uhr Spanisch und ich war die einzige Schülerin in der Klasse, was für mich zwar teilweise sehr anstrengend aber sicher kein Nachteil war. Da ich wusste, ich werde nur drei Monate hier verbringen, habe ich auch täglich versucht alleine zu lernen. Ich kann im Nachhinein zwar auch nicht sagen wie, aber es hat funktioniert. Ich konnte ja außer ein paar Worten überhaupt kein Spanisch, nach einigen Wochen klappte alles erstaunlich gut. Man muss einfach offen sein für die Leute, die Sprache und die Kultur, dann fällt es einem sehr leicht, in diesem Umfeld zu lernen. Eh klar, anfangs redet man eher wie ein Gastarbeiter, aber das kommt alles mit der Zeit. Sprache ist eben nicht auswendig lernen von irgendwelchen Büchern sondern sprechen. Man muss sich nur trauen, auch wenn am Anfang vieles falsch ist, die Leute sind sehr nett und möchten gerne helfen, sie freuen sich wenn man den Willen zeigt, ihre Sprache zu lernen.

Da ich ja auch viel von Peru sehen wollte, habe ich mich nach zwei Wochen gleich mal allein auf die Reise begeben und mir am Wochenende die schöne, nur drei Stunden südlich von Chiclayo liegende Stadt Trujillo angeschaut. Familie und Freunde waren natürlich sehr besorgt um mich, aber ich bin wohlbehalten wieder zurückgekommen. Die Peruaner sind ein sehr nettes Volk, ich habe so gut wie nie schlechte Erfahrungen gemacht und immer wieder auch neue Freunde kennen gelernt. Ein weiteres Highlight im Mai war bestimmt ein Ausflug mit einer Riesen-Gruppe von Freunden zum Kreuz von Motupe, eine kleine Wanderung auf einem Kreuzweg – idyllisches Programm für Sonntagvormittag! Ich bin überhaupt öfters mit in die Kirche gegangen, ich finde das war ein richtiges Erlebnis. In Südamerika haben Religion und Glaube einen ganz anderen Stellenwert als bei uns in Europa. Die Menschen in der Kirche sind extrem spirituell und feiern die Messe richtig mit, das sollte man meiner Meinung nach auch einmal miterlebt haben.




Anfang Juni war es dann schon an der Zeit, mich umzuschauen, wo ich dann wirklich mein „Praktikum“ machen wollte, denn der vierwöchige Sprachkurs neigte sich seinem Ende zu. Gemeinsam mit meiner Spanischlehrerin schaute ich mir dann ein paar Einrichtungen an. Schließlich bin ich dann drei Tage pro Woche vormittags in die Schule gegangen, wo ich der Lehrerin von 31 Siebenjährigen ein bisschen zur Hand gegangen bin. Allerdings glaube ich eher dass es mehr Nutzen für meine Spanischkenntnisse hatte als dass ich dort wirklich helfen konnte. Einen Nachmittag habe ich in einem katholischen Heim für Mädchen zwischen 12 und 17 Englisch unterrichtet. Das hat sehr viel Spaß gemacht, man hat auch gemerkt dass es den Mädls getaugt hat. Und einen Vormittag habe ich dann, anfangs mit einer deutschen Kollegin, in einem Kindergarten in einem Armenviertel verbracht. Das war sehr interessant, wenn auch teilweise traurig.

Neben meiner „Arbeit“ habe ich dann weiter die Wochenenden genützt, das Land kennen zu lernen. Ich finde Chiclayo ist die ideale Basis um den eher untouristischen Norden Perus zu erkunden. Man hat den Vorteil, dass man öfter gezwungen ist Spanisch zu sprechen bzw. zu verstehen. Ein Wochenende habe ich gemeinsam mit meiner Gastmutter in Chachapoyas verbracht. An diesem Wochenende fand auch die Raymillacta, der Namenstag der Stadt und ein Fest für die ganze Region Amazonas, statt. Eine Riesen-Feier mit Umzügen, Trachten und traditionellen Speisen, und jeder Menge Menschen.

Über ein weiteres verlängertes Wochenende bin ich dann nach Iquitos, der größten Stadt der Welt die nur per Boot oder Flugzeug erreicht werden kann, geflogen. Drei Tage habe ich dann im Amazonas-Urwald verbracht, inklusive Piranhas, Moskitos, Anakonda und Taranteln in freier Wildbahn. Ein anderes Wochenende habe ich in der, per Bus nur 5 Stunden nördlich von Chiclayo gelegenen, Partymetropole Mancora verbracht. In Mancora gibt es Sommer, Sonne und Strand das ganze Jahr über, zu verdanken hat man das gute Klima der El Nino-Strömung. In Chiclayo ist es zwar auch das ganze Jahr über schön, aber zum Schwimmen im Meer ist es im Herbst und Winter dann doch zu kalt. In Mancora kann man viele Reisende, die meist von Ecuador nach Peru kommen, treffen, die sich ein bisschen vom Reisen erholen wollen. Man muss hier kein schlechtes Gewissen haben, wenn man nach dem Party-Machen einfach nur mal einen gemütlichen Tag am Pool verbringt und keine Lust auf Sightseeing hat.


Die letzten Wochen waren geprägt von typisch peruanischen Fiestas, es gab Geburtstagsfeiern, eine Taufe und auch Abschiedsfeiern. Die südamerikanische Art zu Feiern ist schon eine ganz Besondere, vom Kleinkind bis zur Oma tanzen alle im Wohnzimmer, das kurzfristig in einen Partyraum umgebaut wird. Und es sieht noch dazu gut aus, die Menschen können sich wirklich bewegen, sie haben das sozusagen im Blut. Ja und das Essen – man muss es probieren und man wird es lieben. So ist es mir zumindest ergangen. Also die Dame bei der ich immer gegessen habe war ja wirklich eine Meisterin ihrer Kunst. In Küstennähe gibt es viel Fisch, das typisch peruanische Ceviche, viel Mais in diversen Varianten, Unmengen Reis, Empanadas und natürlich muss man, auch wenn es vielleicht ein bisschen Überwindung kostet, Meerschweinchen (Cuy) probieren. Für die Peruaner eine Delikatesse, auch richtig teuer im Vergleich zum alltäglichen Huhn. Bei Feierlichkeiten lieben sie Schwein oder Ente.

Meine letzten Reisen von Chiclayo aus führten mich nach Huaraz in die Berge – sehr empfehlenswert! – und nach Cajamarca. Und am 20. Juli bin ich dann wieder endgültig aufgebrochen, per Flugzeug nach Cuzco. Die peruanische Touristenhochburg schlechthin. Ich war wirklich geschockt von der Tatsache, dass mich plötzlich jeder als Tourist identifiziert hat und automatisch Englisch mit mir redete. In Cuzco und Umgebung kann man dann wirklich alles über die Inkas erfahren was das Herz begehrt. Die Sehenswürdigkeiten im Norden betreffen eher die Prä-Inka Kulturen, die aber nicht weniger interessant waren. Außerdem darf man nicht unterschätzen, dass das alles sehr stark zusammenhängt, denn die Inkas regierten schlussendlich nicht einmal 100 Jahre lang. Von Cuzco aus machte ich dann das gesamte Standard-Touristenprogramm, angefangen vom Inka-Trail mit dem Ziel Machu Picchu ging es dann weiter nach Puno – Lago Titicaca, weiter nach Bolivien mit Copacabana, Isla del Sol und in die Hauptstadt La Paz, wo ich mit dem Mountainbike die Todesstraße hinunter gefahren bin und im Restaurant „Vienna“ richtig österreichisch gegessen habe.

Zurück in Peru ging es dann ins wunderschöne Arequipa, in den Colca-Canyon zu den Kondoren, weiter nach Nazca um einmal über die weltberühmten Linien zu fliegen, von da nach Ica zur Oase Huacachina, zur Halbinsel Paracas und last but not least verbrachte ich auch noch fast zwei Tage in Lima. Am Ende fühlte ich mich dann schon eher wie ein Marathon-Läufer, aber wenn man sich viel vornimmt ist klar, dass die Zeit knapp wird. Peru lässt sich wirklich sehr gut bereisen, es gibt in nahezu jeden Ort eine Busverbindung und die Bustickets sind für uns zu Spottpreisen erhältlich. Auch die Hostels sind ausgesprochen nett, empfehlen kann ich hier die Kette „Point-Hostels“, die mir von Anfang an sehr sympathisch waren und wo ich immer nette Leute kennen gelernt habe.

Die Touristenhighlights waren natürlich sehr spannend und imposant und es ist klar, dass ich nicht drei Monate in einem Land verbracht haben möchte, ohne die Orte zu kennen, wegen derer die Menschen hierher kommen, aber ich bin sehr froh den Großteil der Zeit im wenig touristischen Norden verbracht zu haben. Ich denke, daraus ergeben sich einfach andere Möglichkeiten, man hat die Chance, das Land, die Leute und die Kultur auf eine andere Art kennen zu lernen und ich bin überzeugt davon, dass ich, hätte ich meinen Aufenthalt z.B. in Cuzco verbracht, nicht so gut Spanisch lernen hätte können. So trat ich dann am 8. August meine Heimreise von Lima über Amsterdam nach Wien an und war nach drei Monaten tatsächlich wieder zu Hause. Der erwartete Kulturschock blieb gänzlich aus, es fühlte sich eher so an als hätte sich nur meine Welt weitergedreht und die in Österreich wäre drei Monate vorher gestoppt worden. Es war eine ausgesprochen tolle und einzigartige Erfahrung für mich, die ich jedem nur wärmstens weiterempfehlen kann.

Monika S. aus Wien war drei Monate in Peru

> Praktikum in Peru

> Alle Programme für Sprachreisen, Auslandspraktika, Freiwilligendienste, Auslandssemester und Studienreisen in Peru

Aktualisiert am 20. Januar 2012

Ein Kommentar

  1. Hey! Das hört sich aber toll an! ich möchte auch nächstes Jahr nach meinem ABi für 3 Monate nach Peru wenn möglich. Warst du mit der Organisation zufrieden? Waren 3 Monate lang genug? Wäre lieb wenn du mir antworten würdest!
    Liebe Grüße Julia

Schreibe einen Kommentar