Reiseforum Peru: Kinderarbeit in Peru
Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs in vielen Ländern Südamerikas und vor allem in den ärmeren Andenrepubliken Ecuador und Peru, gibt es immer noch eine sehr hohe Zahl an Einwohnern, die unter der Armutsgrenze leben. Das Wirtschaftswachstum Perus besaß eine zeitlang sogar eine der weltweit höchsten Wachstumsraten, trotzdem ging dieser Aufschwung an den wirklich armen Menschen des Landes vollkommen vorbei. Gerade in den ländlicheren Gegenden fehlt es an Infrastruktur und es gibt generell kaum staatliche Sicherungssysteme um die sozial schwachen Menschen zu unterstützen. Internationale Hilfsorganisationen und Spenden aus Europa und den USA sind oft die einzige Hilfe für den einkommensschwachen Teil der Bevölkerung. Wie so oft, leiden die Kinder. Alleinerziehende Mütter und Älter am meisten unter dieser Situation. Besonders auffällig ist in dieser Hinsicht die extrem hohe Rate an Kindern, die bereits in sehr jungen Jahren arbeiten müssen, um sich oder ihre Familien zu ernähren. Nach internationalen Schätzungen und Studien lebt ein Großteil der Weltweit ca. 246 Millionen Kinderarbeitern in Lateinamerika, wovon ein weiterer größerer Teil auf Peru und Brasilien entfällt. Gerade in Peru ist Kinderarbeit leider oft noch selbstverständlich und man geht von ca. 1,93 Millionen Kindern (im Altern zwischen 6 und 17 Jahren) aus, die in verschiedenen, oft auch illegalen Berufen tätig sind. Von diesen 1,93 Millionen Kindern leben mehr als 30% in totaler Armut und weit unter der Armutsgrenze. In Peru trifft man die arbeitenden Kinder daher überall und sie gehören zum alltäglichen Straßenbild. Nicht nur in den Großstädten wie Lima, Chiclayo, Trujillo, Arequipa oder Iquitos im Dschungel Perus, wimmelt es von Kindern, die auf den Straßen Zigaretten, Süßigkeiten und Gemischtwaren anbieten, Autos oder Schuhe putzen und manchmal auch einfach nur nach Geld oder einer kleinen Mahlzeit betteln. Wer sich auf einer Südamerikareise befindet und zum ersten mal in eine größere Stadt kommt, sei es nun in Peru oder anderswo, der wird sich bald in einem Konflikt befinden, in den jeder Südamerikareisende schnell gerät. In jedem Lateinamerika Reiseführer steht, dass man bettelnden Kindern nichts geben sollte, da man sie nur daran hindert arbeiten zu gehen oder die Schule zu besuchen. Doch das Dilemma an dieser Situation ist, dass ein Kind, das kein Geld hat um sich oder seine Familie wenigstens mit den Grundnahrungsmitteln zu versorgen, wohl kaum an einen Schulbesuch denken kann und ohne eine ordentliche Ausbildung auch schlechte Chancen auf eine gute Anstellung hat. Nicht nur Kindern sondern auch alte Menschen, die keine versorgende Familie um sich haben, sieht man immer wieder nach Essen oder einer kleinen Spende fragen. Wer sich auf der Reise durch Südamerika zum ersten Mal in dieser Situation befindet und in das Gesicht eines hungernden Kindes blickt, wirft seine Grundsätze sehr schnell über Bord.
Kinderarbeit ist in Peru und vielen anderen lateinamerikanischen Ländern sehr beliebt, denn Kinder sind willig und für fast jede Arbeit einzuspannen. Ein weiterer Vorteil für diese Art von Arbeitgebern ist natürlich, dass Kinder in der Regel für sehr viel weniger Geld arbeiten und froh sind, ein paar Centamos verdienen zu können. Aufgrund der oft sehr extremen Armut, mangelnder Bildung und der Ausbeutung durch solche Unternehmen und Arbeitgeber, haben die Kinder kaum Möglichkeiten um diesen Teufelskreis zu verlassen. Die traurigen Schicksale dieser Kinder gehen dabei in die Millionen. Ein Beispiels ist Juanito der mit 7 Jahren jeden Tag um halb vier Uhr morgens aufstehen muss, um den langen Weg zu den Bergwerksminen in seiner peruanischen Heimatstadt anzutreten. Da er kein Geld für den Bus oder ein Collectivo hat, läuft er jeden Tag ca. 2 Stunde bis er seinen „Arbeitsplatz“ erreicht.
Anschließend arbeitet Juanito von 6 bis 4 Uhr Nachmittags und nach dieser zehnstündigen anstrengenden Arbeit erhält er gerade einmal 2 Dollar Lohn, von denen er sich einen Leib Brot und etwas Reis für seine Mutter und die 3 Geschwister kaufen kann. Seien Arbeit fällt ihm sehr schwer, vor allem da sein kleiner Kinderkörper für eine solch anstrengende und schweißtreibende Arbeit überhaupt nicht geschaffen ist. Während der Arbeit wird Juanito von Hunger und Müdigkeit geplagt und kaut Kokablätter, um die Schufterei wenigstens einigermaßen erträglich zu machen.
Viel Kinderarbeiter können unter diesen Umständen niemals zur Schule gehen und wenn sie sich doch zum Unterricht schleppen, bekommen sie meistens sehr schlechte Noten, da ihre Konzentration nach einem solchen Arbeitstag und bedingt durch die extreme Müdigkeit kaum noch vorhanden ist. Gibt es in den Städten keine kostenlose Schule, ist an einen Unterrichtsbesuch sowieso nicht zu denken, da sich solch arme Familien niemals das Schulgeld für ein oder sogar mehrere Kinder leisten können. Die Eltern, die aus ähnlichen Verhältnissen stammen, finden teilweise einen Schulbesuch der Kinder nicht einmal notwendig, da sie selber nicht zur Schule gegangen sind und ein anderes Leben gar nicht kennen. Eine solche Situation, wie die von Juanito ist typisch für solche Familien in Südamerika. Die Kleinen müssen sich um ihre allein erziehende Mutter und die Geschwister kümmern und sind in so frühen Jahren vollkommen allein für das Überleben der Familie verantwortlich. Natürlich ist Kinderarbeit in Peru verboten, doch wie bei so vielen dieser Gesetze reicht ein bloßes Verbot leider nicht aus, um dieser illegalen Aktivitäten und das Ausbeuten der schutzbedürftigsten Mitglieder der Gesellschaft zu verhindern. Es gibt in Peru eine ganze Reihe an internationalen Hilfsorganisationen, die versuchen diese Realität zu verändern oder die Lebensumstände einiger Kinder wenigstens zu verbessern, doch auch hier ist diese Hilfe oft nur ein „Tropfen auf dem heißen Stein“. Wer mit dem Gedanken spielt, eine Südamerikareise zu unternehmen, oder sich für einen Auslandsaufenthalt in Peru entscheidet, der sollte sich vorher Gedanken über das Land und die Kultur der Menschen machen und sich überlegen, inwieweit man durch den Auslandsaufenthalt, das Praktikum in Südamerika oder ein Auslandsstudium Hilfestellung geben kann und wenigstens eine kleinen Teil dazu beiträgt, diese Kinder zu unterstützen. Möglichkeiten gibt es viele und man muss nicht gleich eine Geldspende entrichten um zu helfen. Wer gerne ein Praktikum in Südamerika machen möchte, erhält viele Alternativen um sein Praktikum oder ein freiwilliges soziale Jahr in einer gemeinnützigen Institution oder einer internationalen Hilfsorganisation abzuleisten.
Posted by A.Celis, Chiclayo/Peru
Als Spezialist für Südamerikareisen, Auslandaufenthalte und Praktika in Peru wollen wir unseren Teilnehmer die Möglichkeit bieten, während dem Auslandaufenthalt eine sinnvolle Tätigkeit und damit einen kleinen aber wertvollen Beitrag zu leisten. Wenn Sie sich für ein Praktikum in Ecuador, Peru oder Bolivien entscheiden, oder gerne einen Freiwilligen Einsatz in einem lateinamerikanischen Land durchführen wollen, finden Sie auf unserer Übersichtskategorie Freiwilliges Soziales Jahr in Südamerika.
Aktualisiert am 11. Februar 2009


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