Ein Freiwilligendienst im Ausland gewinnt immer mehr an Bedeutung nachdem sich die Gesetzeslage für ein freiwilliges soziales Jahr deutlich geändert hat. Ein freiwilliges soziales Jahr bzw. ein freiwilliges kulturelles oder ökologisches Jahr wird nämlich aktuell nur anerkannt, wenn es durch eine staatlich zertifizierte Trägerorganisation durchgeführt bzw. zumindest betreut wird. Die Trägerorganisationen kümmern sich um die Stelle und meist um eine Unterkunft, wobei diese Angebote teilweise selber von den Teilnehmern finanziert werden müssen (oder die Teilnehmer einen sogenannten Unterstützerkreis zur Finanzierung finden sollen) und oft wird sogar noch ein Beitrag für die jeweilige Trägerorganisation verlangt. Hierbei entfällt der dann oft noch der letzte Vorteil den ein freiwilliges soziales Jahr gegenüber einem Freiwilligendienst im Ausland hat. Verpflichtend ist für ein anerkanntes freiwilliges soziales Jahr dabei die Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen (mindestens 25 Seminartage) in Deutschland. Dadurch entstehen in vielen Zielländern oft höhere Kosten für die Teilnehmer an einem sozialen Jahr, wie bei einem Freiwilligendienst im Ausland ohne eine Trägerorganisation.
Ein weiterer Nachteil besteht für ein freiwilliges soziales Jahr im Gegensatz zu einem Freiwilligendienst im Ausland in der eingeschränkten Stellenauswahl und den sehr komplizierten Bewerbungsverfahren die oft schon im September oder Oktober für das kommende Jahr eingestellt werden. Hinzu kommt noch, dass ein freiwilliges soziales Jahr immer nur zu einem bestimmten Termin beispielsweise am 01.08. oder 01.09. begonnen werden kann und eine Urlaubsplanung während des Jahres bei den meisten Organisationen recht kompliziert und teilnehmerunfreundlich ist. Dieser Aufwand und die vielen Restriktionen lohnen sich dann höchstens noch für männliche Teilnehmer, die dadurch ihren Wehrdienstersatz angerechnet bekommen. Mittlerweile bekommt man auch in keinem Bundesland mehr einen "Wartesemester-Bonus" für ein anerkanntes freiwilliges soziales Jahr und hat damit durch die Anerkennung auch keinerlei Vorteile gegenüber einem Freiwilligendienst im Ausland. Entscheidet man sich dazu, einen Auslandsaufenthalt durchzuführen und dabei eine Tätigkeit im sozialen Bereich durchzuführen, sollte man grundsätzlich alle Vor- und Nachteile genauestens abwägen und dabei die Alternative Freiwilligendienst im Ausland auf jeden Fall mit in die Planung einbeziehen.
Der Freiwilligendienst im Ausland bietet eine meist vollkommen freie Stellenauswahl mit freier Zeiteinteilung und Urlaubsplanung, wobei die meisten Stellen die einen Freiwilligendienst im Ausland anbieten fast immer so froh über die Mithilfe im jeweiligen Projekt sind, dass man auch mal ein paar Tage oder mehrere Wochen zwischendrin freinehmen kann, um Land und Leute kennen zu lernen. Kombinieren lässt sich ein Freiwilligendienst im Ausland jederzeit mit einem Sprachkurs oder anderen Freizeitprogrammen und man ist grundsätzlich sein eigener Herr während dem Auslandsaufenthalt. Diese vielen Vorteile machen einen Freiwilligendienst im Ausland für einen Großteil der Teilnehmer wesentlich interessanter als ein freiwilliges soziales Jahr.
