Medizinstudium im Ausland

Eine Studie der Hochschul-Informations-System GmbH belegt, dass im Semester 2006/2007 ca. 22% aller Studierenden in Deutschland ein Studium im Ausland oder zumindest ein einzelnes Auslandssemester absolviert haben und die Tendenz ist steigend.

Im Ausland studieren bietet ähnliche Vorteile wie ein Auslandspraktikum oder ein FSJ, zusätzlich aber noch einen tiefen Einblick in das jeweilige Studium aus einer anderen Perspektive heraus. Ein Auslandsstudium oder ein einzelnes Semester im Ausland ist daher die idealste Art und Weise um einerseits Ihren Lebenslauf zu verbessern und anderseits eine faszinierende Zeit im Land Ihrer Wahl zu verbringen.

Medizinstudium im Ausland

Beitragvon Nick1234 » So 15. Nov 2009, 12:58

Hallo Leute,

ich habe einige Fragen zum Thema Medizin im Ausland studieren. Ich denke durch die ganzen Umstellungen im Zuge des Bologna Prozesses sind einige nicht gerade kleine Probleme für den Studiengang Medizin aufgetreten, vor allem beim Thema Anrechenbarkeit von Studienleistungen. Hier in Deutschland gibt es noch kaum Bachelor- und Masterstudiengänge für Medizin und ich bin mittlerweile am überlegen, ob ich nicht ein Medizinstudium im Ausland in Angriff nehmen sollte. Wie sinnvoll ist es hier aber ein Bachelor-Studium anzufangen und was passiert dann mit meinen ausländischen Studienleistungen hier in Deutschland? Problematisch wäre auch eine Wechsel der Hochschule nach dem Vorklinikum, vor allem wegen den Sprachschwierigkeiten.

Ich hoffe, ihr könnt mir hier ein paar Tipps geben.

Grüße

Nick
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Re: Medizinstudium im Ausland

Beitragvon Fred » So 15. Nov 2009, 19:06

Hallo NIck,

was den Wechsel von einer ausländischen Universität nach Deutschland angeht, können tatsächlich einige Schwierigkeiten auftreten, da ein solcher generell nicht sehr einfach ist. Die Studiengänge im Bereich Medizin unterscheiden sich vor allem dadurch, dass es ein deutsches Physikum im Ausland nicht gibt und ein solches hier nachgeholt werden müsste. Ein Wechsel ist dann auch nur grundsätzlich möglich, wenn hier an einer deutschen Universität auch genügend freie Studienplätze für Medizin übrig sind, was nach dem Physikum eher selten der Fall ist und wenn, nur nach aufwendiger Suche klappt. Für die Anrechnung von bereits erbrachten Studienleistungen im Bereich Medizin sind die jeweiligen Landesprüfungsämter für Heilberufe im Bundesland der Hochschule zuständig. Eine Auskunft im Voraus ist hier eher problematisch und nicht immer hundertprozentig zuverlässig, da sich Prüfungsordnungen in bestimmten Zeitabschnitten ändern können.

Also alles in allem eine eher ungewisse Angelegenheit!

Viele Grüße

Fred
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Re: Medizinstudium im Ausland

Beitragvon Fred » So 15. Nov 2009, 19:09

Etwas anderes ist es natürlich, wenn du gleich ein Vollstudium im Ausland machst oder dir vielleicht sogar überlegst, erst einen Teil des Studiums beispielsweise in Osteuropa (die haben da sehr interessante Studiengänge und auch ein paar schöne Städte ;-)) und danach einen zweiten Teil in einem Land zu machen, wo du dir deine Osteuropäischen Studienleistungen besser anerkennen lassen kannst.

Wer will denn heutzutage noch in Deutschland studieren :D

Nochmals viele Grüße

Fred
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Re: Medizinstudium im Ausland

Beitragvon Felix » So 15. Nov 2009, 21:02

Hallo zusammen,

grundsätzlich sollte durch die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge eine Anerkennung von ausländischen Studienleistungen oder auch die Anerkennung von Studienleistungen beim Wechsel der Hochschule vereinfacht werden. Das war jedenfalls auch ein Hauptargument für die Umstellung, was sich leider nicht so leicht umgesetzt hat.

Mittlerweile hat Deutschland beispielsweise die Lissabon Konvention ratifiziert, die hier Abhilfe schaffen soll. Der deutsche akademische Austauschdienst sowie der übergeordnete Dachverband des FZS werden darauf wohl noch näher in der Zukunft eingehen und einiges zum Thema publizieren.

Die bis jetzt auf sich wartende Ratifizierung der Konvention von Lissabon (Lisbon Recognition Convention) in der Bundesrepublik hat einen großen Teil der Probleme bei der Anerkennung von Studienleistungen aus dem Ausland bewirkt. Die Konvention stellt die Studierenden nämlich deutlich besser, als die Hochschule bzw. das jeweilige Prüfungsamt, dadurch dass sie eine Beweislastumkehr zu Gunsten der Studierenden vorschreibt.
Grundsätzlich müssen Studienleistungen immer dann anerkannt werden, wenn die Lernziele der jeweiligen Veranstaltungen (learning outcomes) wenigstens zum größten Teil übereinstimmen und es kommt nicht mehr auf einzelne formale Übereinstimmungen an. Die Beweislastumkehr der Lissabon Konvention schreibt ebenfalls vor, dass nunmehr die Hochschulen beweisen müssen, dass eine erbrachte Leistung nicht gleichwertig ist (früher musste das der Studierende gegenüber der Uni beweisen).

Grundsätzlich würde ich Ihnen aber empfehlen, die Anerkennungsfrage von Studienleistungen vor dem jeweiligen Auslandssemester oder dem Studium im Ausland zu klären. Laut der Lissabon Konvention können hier sogenannte Lernziele (learning agreements) abgeschlossen werden. Hierbei kann neben der Studierendenvertretung auch das Akademische Auslandsamt helfen, falls es Schwierigkeiten mit der jeweiligen Universität geben sollte.

Mithilfe dieser Vereinbarung von Lernzielen kann die Heimathochschule zusammen mit der Gasthochschule schon vor Beginn des Auslandsstudiums eine Absprache über die Anerkennung treffen. Wenn Sie sich für ein Erasmus-Programm entscheiden, sind solche „learning agreements“ übrigens vorgeschrieben.

Sie sollten das Thema also auf jeden Fall vor Antritt des Studiums im Ausland noch hier in Deutschland klären.

Viele Grüße

Felix
Ihre Academical Travels Redaktion
Für weitere Informationen nutzen Sie bitte unser Kontaktformular.
www.auslandspraktikum.in
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